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Richard Dawkins - Das egoistische Gen

Heute kann man die Evolutionstheorie ungefähr ebenso anzweifeln wie die Lehre, daß sich die Erde um die Sonne dreht, aber ihre eigentliche Bedeutung ist noch immer nicht ins Bewußtsein der Menschen gedrungen.
Bis zu Darwins Lebzeiten hatte sich im abendländischen Denken die Vorstellung der Arterhaltung fest etabliert. Es schien das natürlichste von der Welt, daß Lebewesen danach streben ihre Art zu erhalten. Schon im 13. Jhd. hatte Thomas von Aquin die Arterhaltung zu den grundlegenden natürlichen Neigungen gezählt. Daraus abgeleitet wurde ein Recht der Lebewesen auf Erhaltung ihrer jeweiligen Art. Selbstlosigkeit gegenüber den Artgenossen scheint die logische Folge zu sein. Auf dieses vermeintliche Naturrecht bauen auch heutige Juristen. Ihnen gilt die Sicherung des menschlichen Überlebens als das Fundamentale des biologischen Existierens. Nach Kant wäre die ganze Schöpfung ohne den Menschen umsonst und ohne Endzweck. Doch solche Ansichten erscheinen heute als höchst unnatürlich.

Erst 50 Jahre nach Darwins Tod begannen andere konsequent denkende Naturwissenschaftler zu erkennen, daß die der Artenwandlung zugrunde liegende Evolution auf individuell unterschiedlichem Fortpflanzungserfolg basiert und damit unabhängig vom zukünftigem Wohl und Wehe einer Art ist.

Auf der Basis genetischer Erkenntnisse hat in umfassender Form erstmalig Richard Dawkins 1976 das Augenmerk noch einmal von Individuen auf die Gene gelenkt. Schließlich sind sie es, die vervielfacht und weitergegeben werden. Sie überleben ihre ständig wechselnden individuellen Träger um Millionen Jahre und bestimmen - mehr oder weniger weitgehend - den Bau ihrer Körper und Nervensysteme und damit auch ihr Verhalten. Zwangsläufige Folge unter natürlicher Selektion ist dann ein Trend zu Programmen, die sich durch entsprechendes Verhalten ihres individuellen Trägers maximal vervielfachen. Als Evolution wirkt sich dies aus, wenn erfolgreichere Programme an zukünftige Generationen weitergegeben werden können und dort unter bestimmten Umweltbedingungen erfolgversprechendes Verhalten produzieren.
Und dies ist ein anderer Trend, als etwa einer der hinführt zu Gesundheit, langem Leben oder Glück eines Individuums, einer Gruppe oder einer Art. Eine vorherrschende Eigenschaft, die man von einem erfolgreichen Gen erwarten muß, ist skrupelloser Egoismus.

Ganz analog zur biologischen Selektion unserer Gene nimmt Richard Dawkins auch eine Selektion kultureller Verhaltensprogramme an, die von Hirnen kopiert werden und über die Tradition von einer Generation in die nächste gelangen. Deren Ergebnis sind schließlich auch die moralischen Gesetze unserer Kultur.

"Laßt uns versuchen, Großzügigkeit und Selbstlosigkeit zu lehren, denn wir sind egoistisch geboren. Laßt uns verstehen lernen, was unsere egoistischen Gene vorhaben, denn dann haben wir vielleicht eine Chance, ihre Pläne zu durchkreuzen - etwas, das keine andere Art bisher angestrebt hat." Richard Dawkins

wird fortgesetzt...